Gotteswortsprache

Geistliche Erfahrungen …

Gottes Wort in einer Fremdsprache

Kurz vor dem Eintritt ins Kloster, als ich schon wusste, dass es das Kloster der Benediktinerinnen der Anbetung in Wien sein wird, habe ich überlegt, wie ist das mit der Fremdsprache … ob ich – Polin – je auf Deutsch beten kann, wenn ich irgendwann diese Sprache im grammatikalischem Sinne sehr gut beherrsche, wird es überhaupt möglich sein, eine solche Erfahrung des Gebetes, z.B. des Stundengebetes zu machen, wie „auf Polnisch“?

In meinem Notizbüchlein fand ich eine erhabene Notiz aus damaliger Zeit:


„Die Tatsache, dass ich in den ersten Monaten die Gebete, Lesungen und Psalmen auf Deutsch nicht verstehen werde, macht mir klar, dass ich mich um so mehr an Gott allein anlehnen soll. So dass ich statt der Tröstungen, die aus den Psalmen fließen, und die ich in einer fremden Sprache noch nicht verstehen kann, auskommen muss, damit seine heilige Anwesenheit mir ALLES wird und ich darin Trost, Antwort und Stärkung finde.“

Klingt nicht schlecht, wenigstens tröstlich. Dann kam die reale Erfahrung. Schwer, aber nur bis zu einer bestimmten Zeit. Es kam der Tag, an dem Gott mich erfahren lies, dass sein Wort lebendig ist und wirkt (unabhängig von der Sprache, in der es ausgesprochen wird).

Nach der Bibel bedeutet das Wort „WORT“ (hebr.: dabar) gleichzeitig „Wort“ UND „Tat“. In Genesis spricht Gott das Wort aus „es werde Licht“ – und es ward Licht. (Genesis 1,3); was Gott spricht, das wird. Das vollkommenste Beispiel ist das Wort, das Fleisch geworden ist, und unter uns gewohnt hat, Jesus Christus. Wenn wir also das Wort Gottes lesen, „wird“ das Wort Gottes in mir, das Wort wird zur Tat, geheimnisvoll wirkt es in meinem Inneren und verändert mein Herz. Es hat keinerlei Bedeutung, ob ich auf deutsch, polnisch oder japanisch lese. Nicht die Sprache hat die Kraft, sondern das WORT – das Ewige WORT des Vaters.

Man kann es vergleichen mit einer Speise. Ich muss das Gericht nicht schmecken, dass ich einnehme, der Geschmack ist nicht das Wesen der Speise. Sein Wesen sind seine ernährenden Wirkstoffe (?). Infolgedessen ist es ohne Bedeutung, ob das Offizium auf deutsch oder auf polnisch „schmeckt“. Eine Speise schlucke ich, aber ich fühle nicht, wie sie verdaut wird, ich spüre nicht, wie sie die kleinsten Zellen meines Leibes durchdringt, und ihn am Leben erhält. Ähnlich ist es mit dem Wort Gottes. Lesend verschlinge ich es, ernähre mich durch das Wort, und das Wort wirkt in mir ein Wunder des Lebens, es wirkt indem es bis in die letzten Zellen eindringt. Ich muss es nicht spüren, zeigen wird es sich in der Lebendigkeit meiner Seele. Also eines ist sicher: das Lesen der heiligen Schrift heiligt uns. Schon allein indem ich sie mit Glauben lese und ausspreche. verändert es mein Herz (außerhalb der Gefühle und Empfindungen).


Mit jedem ausgesprochenen WORT wird Christus in mir.

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