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Zeugnis1

Geistliche Erfahrungen …

Ein Zeugnis einer Berufung

„Wenn jemand vom Herrn verändert werden möchte,
muss er einen Kampf akzeptieren“.

Irgendwann, irgendwo, habe ich diesen Satz gelesen und mich sehr mit ihm identifiziert. Gott ist „radicaltier aliter“, wie die Mystiker es zu sagen pflegen, also ganz radikal anders, als unsere Vorstellung von ihm.

Er schlägt uns oft das vor, was wir uns für uns nie vorstellen würden.

Und hier beginnt der Kampf … mit sich selber, mit Stereotypen, falschen Werten, Heuchlerei und Egoismus.

Ein paar Sätze über meine Berufung:
Es ist gar nicht so einfach, weil „einmal gewählt, muss ich immer wählen“ – ich muss immer wählen …

Ich glaube, dass jede von uns mehr oder weniger bewusst, vor allem die Liebe, das Glück und die Wahrheit sucht. Wichtig ist aber, dass man wirklich sucht. Dass man neugierig bleibt, offen für die Menschen, für die Welt, nur dadurch können wir zur Quelle kommen, weil es nur eine Quelle gibt.

So suchte ich Gott in meinem Leben, sogar dann, wenn ich weit weg von ihm war. Jetzt, rückblickend, würde ich sagen, dass meine Berufung mit meiner Bekehrung eng verbunden ist.

Ich lebte wie jeder junge Mensch, kämpfte mit dem Alltag in der Schule, weil diese mir die meiste Zeit raubte, aber auch mit dem Alltagsleben in der Familie, mit den Freunden, usw. …

Unbemerkt drang der Herr sanft in mein Leben hinein und veränderte es langsam. Oft, als ich Priester oder Ordensleute ansah, dachte ich: Wie kann man so leben? Wie konnten sie von einen Tag auf den anderen, sich entscheiden, so radikal zu leben, und dazu noch für einen Wert, den man nicht angreifen kann, den man nicht sieht, also ohne jegliche Sicherheit. Ich glaubte damals, entweder ist mit ihnen etwas nicht in Ordnung, oder der Engel des Herrn kam zu ihnen, wie zu Maria, mit einer geheimnisvollen Botschaft von Gott … wie sollte es anders sein?

Wenn ich das Leben von Mutter Teresa von Kalkutta, Papst Johannes Paul II. und vieler anderer Menschen betrachtete, stellte ich mir die Frage, wie konnten sie so leben? Warum? Ja, der Herr schickt die Engel… und er musste mir viele Engel schicken. Er ist geduldig, er wartet…
Erst nach längerer Zeit konnte ich sehen, dass der Herr mich getragen und an der Hand geführt hat, bis zu diesem Ort, an dem ich heute lebe. Wer waren diese Engel? Das waren Exerzitien, Worte die mich zufällig ins Herz getroffen haben, ohne zu wissen warum, Priester, die mich mit ihrer Offenheit in ihren Herzen begleitet haben, manchmal ein Buch, eine Wallfahrt … ständiges Suchen.

Als ich die ersten Rufe unterdrücken wollte, beschloss ich, ein Voluntariat mitzumachen, wo ich viele wunderbare Menschen kennenlernen konnte, wo ich die Realität erfuhr und die Wahrheit, dass Jesus wirklich auf dem Heu liegt, als kleines, wehrloses Kind, und auf uns wartet. All das, hat mich der Kirche näher gebracht. Auf diese Weise erinnerte ich mich langsam an diese Augenblicke, als ich noch klein war, und Mai- und Rosenkranzandachten sowie Kreuzwege besuchte und mich gerne in der Kirche aufhielt. Nicht wissend warum, fühlte ich mich dort sicher und geborgen, mit der Zeit ist dieses Gefühl abhanden gekommen. Es kam die Auflehnung, Zorn gegen Gott – mit gleichzeitiger Suche nach ihm, oft dort, wo man ihn am schwierigsten findet. Ich fing an, am Sonntag in die Kirche zu gehen, mit der Überzeugung, dass es sich so gehört, damit die Pflicht erfüllt wird, damit ich das Gesicht eines Christen wahre, und nicht so bin, wie die Gläubigen und Nicht-Praktizierenden. So entschuldigte ich mich vor mir selber. Das genügte aber nicht. In jedem von uns gibt es einen Ort, dass wir als Herz benennen, in dem ER ganz ist. Deswegen gab es mir keine Ruhe, irgendetwas war nicht in Ordnung, ich spürte, dass das oberflächliche Antasten des Glaubens, des Lebens, keinen Sinn hat.

Das war der beste Weg um die Lust nach dem Suchen und nach dem Leben zu verlieren. Man kann so leben – aber was ist es für ein Leben? Es kam in mir die Sehnsucht nach dem LEBEN.

Eines Tages übergab mir ein Priester, der mich in Religion unterrichtete, ein Flugblatt der Schwestern aus Wien, mit dem Angebot, ich könnte mit meiner Freundin dorthin fahren, ein bisschen bei den Kindern helfen, und das Leben der Schwestern kennenlernen. Ein Jahr vor der Matura, während der Sommerferien, fuhr ich zu den Schwestern und verbrachte dort eine Woche in der ich betete und den Kindern half. Die wichtigste Erfahrung war, dass man auch so LEBEN kann und dass es ein erfülltes, ja, mit jedem Tag mehr erfülltes Leben sein kann. Obwohl die Sehnsucht hier zu bleiben in mir aufgekommen ist, war es nicht so einfach. Ich fühlte Angst, irgendeine Entscheidung zu treffen. Es war so, als ob ich nervös mit dem Kopf nach links und rechts schauen würde, als wenn man über die Straße gehen möchte, und Angst hat, einen Schritt nach vorne zu tun. So sah mein Leben aus. Gott sprach „Ich habe für dich einen kleinen Weg, ich bereitete es für dich allein, komm, komm einfach hinein, komm zu mir, weil ich dich erkauft habe“ (vgl. Jesaja 43,1).

Aber ich wollte mich versichern, ob es der richtige Weg ist, ich wollte sicher sein, um später nichts zu bereuen. Damals hatte ich mir am liebsten gewünscht, dass jemand anderer für mich die Entscheidung trifft, die Verantwortung für mein Leben übernimmt. Ich lief davon und gab es nicht zu. Außerdem bietet uns heutzutage das Leben so viele Möglichkeiten. Wie jeder Mensch, der kurz vor der Matura steht, überlegte ich, was ich in der Zukunft machen möchte, wer ich sein möchte. Ich wollte studieren, reisen, eine Familie gründen, usw. …

Es zerrten verschiedene Sehnsüchte an mir. So sehr wollen wir unser Leben gut leben, dass uns die Angst überfällt, einen Fehler zu machen oder eine falsche Entscheidung zu treffen. Was ist aber das alles, dass wir suchen? Wer ist ALLES, dass wir suchen? „Ich wähle alles“, sagte einmal die kleine Therésè von Lisieux – jetzt eine der größten Heiligen, Kirchenlehrerin. Sie hat gewählt DEN… der alles gibt, und ALLES ist, weil ER die LIEBE ist. Ich bestand die Matura, die Zerissenheit jedoch blieb. Sie blieb so lang, bis ich begriff, dass dieser Weg, den ich im Herzen verspüre, das ist, was ich suchte: Wahrheit, Leben und Liebe.

Und auf die Liebe …
… antwortet man mit Liebe!

Gotteswortsprache

Geistliche Erfahrungen …

Gottes Wort in einer Fremdsprache

Kurz vor dem Eintritt ins Kloster, als ich schon wusste, dass es das Kloster der Benediktinerinnen der Anbetung in Wien sein wird, habe ich überlegt, wie ist das mit der Fremdsprache … ob ich – Polin – je auf Deutsch beten kann, wenn ich irgendwann diese Sprache im grammatikalischem Sinne sehr gut beherrsche, wird es überhaupt möglich sein, eine solche Erfahrung des Gebetes, z.B. des Stundengebetes zu machen, wie „auf Polnisch“?

In meinem Notizbüchlein fand ich eine erhabene Notiz aus damaliger Zeit:


„Die Tatsache, dass ich in den ersten Monaten die Gebete, Lesungen und Psalmen auf Deutsch nicht verstehen werde, macht mir klar, dass ich mich um so mehr an Gott allein anlehnen soll. So dass ich statt der Tröstungen, die aus den Psalmen fließen, und die ich in einer fremden Sprache noch nicht verstehen kann, auskommen muss, damit seine heilige Anwesenheit mir ALLES wird und ich darin Trost, Antwort und Stärkung finde.“

Klingt nicht schlecht, wenigstens tröstlich. Dann kam die reale Erfahrung. Schwer, aber nur bis zu einer bestimmten Zeit. Es kam der Tag, an dem Gott mich erfahren lies, dass sein Wort lebendig ist und wirkt (unabhängig von der Sprache, in der es ausgesprochen wird).

Nach der Bibel bedeutet das Wort „WORT“ (hebr.: dabar) gleichzeitig „Wort“ UND „Tat“. In Genesis spricht Gott das Wort aus „es werde Licht“ – und es ward Licht. (Genesis 1,3); was Gott spricht, das wird. Das vollkommenste Beispiel ist das Wort, das Fleisch geworden ist, und unter uns gewohnt hat, Jesus Christus. Wenn wir also das Wort Gottes lesen, „wird“ das Wort Gottes in mir, das Wort wird zur Tat, geheimnisvoll wirkt es in meinem Inneren und verändert mein Herz. Es hat keinerlei Bedeutung, ob ich auf deutsch, polnisch oder japanisch lese. Nicht die Sprache hat die Kraft, sondern das WORT – das Ewige WORT des Vaters.

Man kann es vergleichen mit einer Speise. Ich muss das Gericht nicht schmecken, dass ich einnehme, der Geschmack ist nicht das Wesen der Speise. Sein Wesen sind seine ernährenden Wirkstoffe (?). Infolgedessen ist es ohne Bedeutung, ob das Offizium auf deutsch oder auf polnisch „schmeckt“. Eine Speise schlucke ich, aber ich fühle nicht, wie sie verdaut wird, ich spüre nicht, wie sie die kleinsten Zellen meines Leibes durchdringt, und ihn am Leben erhält. Ähnlich ist es mit dem Wort Gottes. Lesend verschlinge ich es, ernähre mich durch das Wort, und das Wort wirkt in mir ein Wunder des Lebens, es wirkt indem es bis in die letzten Zellen eindringt. Ich muss es nicht spüren, zeigen wird es sich in der Lebendigkeit meiner Seele. Also eines ist sicher: das Lesen der heiligen Schrift heiligt uns. Schon allein indem ich sie mit Glauben lese und ausspreche. verändert es mein Herz (außerhalb der Gefühle und Empfindungen).


Mit jedem ausgesprochenen WORT wird Christus in mir.

Alltag im Kloster

Geistliche Erfahrungen …

Alltag im Kloster

Eine große Überraschung kann man erleben, wenn man entdeckt, dass der Weg eines „weiten Herzens“ nirgends anders, als durch den Alltag läuft, durch die einfachsten und alltäglichsten Tätigkeiten und Ereignisse. Vielleicht finden wir deswegen in der Regel unseres Vaters Benedikt so wenig über Mystik, und so viel über die Praxis.

Es ist für uns oft unglaublich und unfassbar, dass Gott sich in den einfachsten Dingen verbirgt. Darum erfahren wir immer wieder Zweifel und keine Befriedigung, wenn wir zum „Brot des Alltags“ zurückkehren. Doch genau darum geht es – wie P. Ziolo schreibt – wir müssen zu den Dingen zurückkehren, die in unseren Augen banal sind.

Wir tauchen immer wieder in Banalitäten hinein, in die Seichtigkeit unseres Lebens, aber es wird uns bewusst, dass gerade DAS Leben bedeutet –mein Leben; und dass es außer dem „Hier und Jetzt“ sonst nichts gibt.

Ein Mönch hat mir einmal gesagt: Es gibt nur dass, was da ist. Der Rest – das sind meine Projektionen und Träume.

Wir sehnen uns nach Gott. Wir suchen Gott. Unser Problem liegt aber darin, dass wir Ihn suchen, indem wir uns aus dem Kreislauf des Alltags heraus zu begeben versuchen.
Wir denken: das ist zu einfach, sogar zu naiv, dass der Allmächtige sich in der Mühsal und Langeweile des Tages befindet.

Wir wollen Gott suchen, außerhalb der Welt, in dem, was übernatürlich ist. Wir mühen uns ab, bis zur Atemlosigkeit, um die Stufen der „Vollkommenheit“ zu erreichen, und uns selbst mit einem Heiligenschein zu krönen.
Solches Hinaufsteigen auf der Leiter der Heiligkeit verursacht (aufgrund der Last unserer geistlichen Ansprüche), dass die Sprossen zusammenbrechen‚ ja, in der Tat treten wir auf der gleichen Stelle, mit einem Gefühl, dass wir uns hinaufraffen. Wir kommen dann zur letzten Sprosse, zu dem ersehnten Zustand der mystischen Kontemplation und … auch diese bricht zusammen… und mit ihr die ganze Leiter.

So bleiben wir allein auf den Trümmern unserer Vollkommenheit sitzen. Enttäuscht, verbittert und zerschlagen. Und … darum geht es!
Wenn wir auf den zertrümmerten Sprossen unseres Egoismus, des Stolzes und der Habsucht (auch der geistlichen) sitzen, sollen wir nicht Pläne schmieden, über das Aussehen unseres geistlichen Lebens, in der Auslage der Gemeinschaft (natürlich als ein Unikat), sondern: wir haben die Möglichkeit, Geschirr zu waschen, Tee in die Tassen einzuschenken, Wecker zu reparieren und Socken zu stopfen.

Das, was mir am besten in der evangelischen Szene über Zachäus gefällt, sind die Worte Jesu: „Zachäus, komm sofort herab“. (Lk 19,5)
Komm sofort auf die Erde. Gerade hier triffst du mich. Auf dieser Erde, zwischen diesen Menschen, die dich oft stören. Ich bin hier, Zachäus, nicht auf dem Baum…


Mir wurde eine Geschichte über einen Fisch erzählt, der sich unter einer Brücke versteckt hat, und dem Gespräch der Menschen zum Thema „wunderbare Eigenschaften des Wassers“ lauschte. Der Fisch beschloss, diese geheimnissvolle Substanz – Wasser – zu finden. Nach jahrelangem Suchen kehrte er in seine Gemeinschaft zurück. Sofort kamen viele Fragen: „HAST DU DIESES WASSER GEFUNDEN? WO IST ES?“

Der Fisch antwortete: „Ja, ich habe es gefunden. Aber ich sage nicht, wo. Ihr werdet mir sowieso nicht glauben.“

Ein Schlüsselwort für mich ist hier, „ihr werdet mir nicht glauben“. Es ist wirklich so, es ist schwer zu glauben, dass der, den wir suchen, so nahe ist, näher als wir es fähig sind, zu begreifen.

Ein anonymer Kartäusermönch schrieb, dass Christuskontemplation die Teilnahme am Leben Christi bedeutet.
Wenn wir „in IHM leben, uns bewegen, und sind“ (vgl. Apg. 17,28) haben wir tiefste Teilnahme in Christus, wir LEBEN einfach in dem, was hier und jetzt ist, und nehmen teil an dem, worin wir uns bewegen, wo wir leben, wo wir sind.

Der Alltag ist Kontemplation.

Weil du mir Kraft gibst

Dieses schöne Gedicht stammt aus der Hand einer Mitarbeiterin, die schon 10 Jahre in unserem Kinderheim arbeitet, Dagmar Buchner. Dagmar hat einige Tage bei uns im Kloster mitgelebt um unser klösterliches Leben ein bisschen kennenzulernen und ihrem persönlichen Glauben wieder neu zu beleben.


Weil du mir Kraft gibst …

Weil du mir Kraft gibst
und mich unendlich liebst.
Weil du mir stets zur Seite stehst
und auf dem Wege mit mir gehst.

Weil ich behütet bin in Deiner Hand
und Glück und Frieden bei Dir fand.
Weil du mich niemals fallen lässt
und ich geborgen bin in Deinem Nest.

Weil ich bei Dir fand meinen Sinn
und Du mich liebst so wie ich bin.
Weil Du mich so reich beschenkst
und mich immer neu auffängst.

Weil Du mich niemals vergisst
und mein Trost und Friede bist.
Weil Du mich annimmst als Dein Kind,
lauf‘ ich zum Vaterhaus geschwind.

Mit offenen Armen empfängst Du mich,
voll Dankbarkeit umarme ich Dich.
Deine Nähe tut mir einfach so gut
und entfacht in mir neuen Mut.

Danke, dass Du mein Vater bist,
der von allen Seiten mich fest umschließt.
Danke, Du lässt mich nie allein.
Danke, dass ich Dein Kind darf sein.

Dagmar Buchner

Geschenk

Eine Überraschung, ein Geschenk, ein Andenken?
– schöne Worte.
Sie richten unsere Gedanken auf Namenstag, Geburtstag, Weihnachten …
Wenn wir die Geschenke nach einiger Zeit anschauen, denken wir an die Menschen, die uns damit Freude bereitet haben.

Denken wir vielleicht auch an unser größtes Geschenk und an den, der uns beschenkt hat, der uns immer alles umsonst gibt? Denken wir an den lieben Gott, der wie ein Nikolaus ohne Urlaub uns große und kleine Geschenke verteilt, je nach seinem Willen, je nach Bedarf und Maß.
Er erwartet dafür nichts, schenkt uns alles aus größter Liebe und hofft auch geliebt zu sein.

Der Vater hat uns das Leben geschenkt, die Kindheit, die Schulzeit, die Erfahrungen, die Freunde, den Glauben, die Berufung, den freien Willen und …
seinen Sohn Jesus Christus.

Durch Ihn und mit Ihm. Sein, und unser Kreuz, das schönste Geschenk.
Es erinnert mich immer an Gott. Ich nehme es wie ein schönes Andenken entgegen.
Dieses Kreuz begleitet mich immer und überall, es hängt an der Wand in meinem Zimmer, es ist sichtbar und spürbar in den Menschen, in meinen Pflichten und Krankheiten.
Es ist ein besonderes, eigenartiges Andenken.

Dank dem Kreuz vergesse ich nie:
dass mir mein Leben geschenkt ist, – aber auch das Leiden und Sterben …
dass mir meine Kindheit geschenkt ist, – aber auch das Altsein und Krankheiten …
dass mir meine Schulzeit geschenkt ist, – aber auch die Arbeit und Verantwortung …
dass mir meine Freunde geschenkt sind, – aber auch die Feinde und Betrüger …
dass mir mein Glaube geschenkt ist, – aber auch die Unsicherheit und Vertrauensmangel …
dass mir meine Berufung geschenkt ist, – aber auch die Schwächen und Versuchungen …
dass mir mein freier Wille geschenkt ist, – aber auch die Qual der freien Wahl …

Gewissheit

Nichts erkennen
Nichts sehen
doch gehen und gehen
und spüren und stolpern

Wo ist das Ziel?
Wo ist der Weg?

Aber dann …
Deine Hand ist warm
Deine Hand ist da
sie lässt mich erkennen
sie lässt mich fühlen
sie lässt mich gehen
sie lässt mich sehen

Vertrauen….
und schauen – nicht sehend
und gehen – nicht stolpernd
und da sein – beschützt

Gewissheit
DU bist bei mir!

Mein Leben, mein Magnificat

 

denn Du hast mich gezeugt
geführt
gelehrt
gesehen
geschützt
gebeugt
Du hast mir verziehen
du hast mich berührt
berufen
Ich hab‘ Dich gekannt
geliebt
verlassen
vergessen
dann hab‘ ich gespürt
Du warst doch bei mir
Du hast nicht gezürnt
Du hast nur geliebt …

Meine Seele preist die Größe des Herrn!

Ich habe mich in die Stille verliebt

Ich habe mich in die Stille verliebt
sie ist leer, Du kannst sie füllen
sie ist ruhig, Du kannst sie beleben
sie ist einsam, ich kann Dir darin begegnen
sie ist empfindlich und leicht zu zerstören
Du kannst mir helfen sie zu pflegen
mit Geduld und Zärtlichkeit.
Sie ist verborgen, ich kann sie nicht sehen
nur spüren und hören wie Dich

Ich habe die Stille eingeladen in mir zu wohnen,
damit Du mich erfüllen kannst,
damit Du mich ansprechen kannst,
damit ich nicht mehr einsam bin,
damit sie in mir zu einer Wohnung für Dich wird
Damit ich mich spüre und erkenne.

Ich habe mich in die Stille verliebt
Sie ist in Dir, sie ist durch dich,
sie ist mit mir, wenn Du mir hilfst.

Die Stille finde ich nicht in der Welt, wo Chaos herrscht
auch nicht unter den Menschen, wo Lärm ist,
wo die Gedanken zum Geschrei werden.
Die Stille ist ruhig, verborgen und einsam,
sie ist tief in mir, am Boden meines Herzens.
Sie spricht zu mir und ich höre sie.
Sie erfüllt mich und schenkt mir Ruhe und Geborgenheit.

Ich habe mich in die Stille verliebt
Sie wohnt in mir,
ich teile sie mit Dir, wenn Du es willst
„wer immer du bist“ …

Die Fußwaschung

Dieser junge Mann …
Er kniet nieder vor den Jüngern … vor den Alten und den Jungen…
dieser junge Mann …
in Demut beugt er sein Haupt, wagt nicht aufzusehen …
dieser junge Mann …
Er krempelt sich die Ärmel hoch, man sieht Seine Muskeln, von der Arbeit geformt…
dieser junge Mann …
Er wäscht ihnen die Füße …
dieser junge Mann …
ganz selbstvergessen pflegt Er diese Füße während er für sie betet …
dieser junge Mann …
Sein Herz verweilt in der Liebe …
dieser junge Mann …
Er schweigt, … weil Er liebt.
dieser junge Mann …
der sich nicht in den Vordergrund drängt
dieser junge Mann …
auf den alle Augen schauen
dieser junge Mann …
der die Beschämung und Angst seiner Jünger spürt …
dieser junge Mann …
mit noch mehr Liebe pflegt Er sie …
dieser junge Mann …
wer ist dieser junge Mann?

Fasziniert von diesem jungen Mann namens Jesus.
Könnte ich nur lieben, wie dieser junge Mann …
könnte ich nur dienen, wie dieser junge Mann …
könnte ich nur schweigen, wie dieser junge Mann …

Einwenigmehr

Ein wenig mehr?
Über die Fastenzeit

Ein wenig mehr? Das soll ein Thema im Bezug auf die Fastenzeit sein? Und doch, der heilige Benedikt setzt immer auf die Stärken seiner Mönche und nicht auf Verzicht um jeden Preis.

Nach dem Motto „ein wenig mehr“ versteht er die Fähigkeit eines jeden zum Verzicht. Wohl gemerkt, hier steht die Fähigkeit des Menschen (der Schwester), der frei ist und entscheiden kann, wo er mehr oder eben weniger braucht. Im Mittelpunkt steht nicht der Verzicht für sich sondern es ist ein Aufruf vergrabene Möglichkeiten wieder zu gebrauchen, sich wieder neu zu orientieren und zu entdecken, was Gott uns geschenkt hat. Ein wenig mehr ist ein universaler Begriff, der die Verantwortung für das Handeln dem Mönch selber gibt.

Der erste Vers des Kapitels über die Fastenzeit heißt: Der Mönch soll zwar immer ein Leben führen wie in der Fastenzeit. Gleich aber im zweiten Vers berücksichtigt die Regel die Schwächen der Mönche und sagt: Dazu aber haben nur wenige die Kraft. Ja, das ganze lange Jahr, 12 Monate lang und so Jahr für Jahr. Benedikt ist ein Realist, es ist tatsächlich so, dass dazu nur wenige die Kraft haben. Gleich kommt aber der Rat (nicht: das Gebot), dass wir wenigstens in diesen Tagen der Fastenzeit in aller Lauterkeit auf unser Leben achten.

In aller Lauterkeit, also mit Freude, ein wenig mehr Lust wie sonst, wer denkt an Freude, wenn wir heutzutage über Fastenzeit oder Bußzeit sprechen? Diese Zeit assoziieren wir eher mit Trauer und Niedergeschlagenheit. Freuen darf man sich ja erst zu Ostern. Aber Benedikt animiert seine Mönche „freudige Geber“ zu sein, denn: Gott liebt den freudigen Geber (RB 5,16/2 Kor 9,7).

Was sollen also die Mönche (und Schwestern) in dieser Zeit tun? Nun lesen wir weiter in der Regel: gemeinsam in diesen Tagen die früheren Nachlässigkeiten tilgen. Die Regel Benedikts ist seinem literarischen Stil nach sehr dicht und kompakt geschrieben, da muss man jedes einzelne Wort richtig „verkosten“ jedem Wort nachgehen, um vielleicht ein wenig näher der Intention Benedikts und seiner Zeit zu kommen und um diese für unsere Zeit „übersetzen“ zu können. So bleibe ich gleich bei dem Wort „gemeinsam“ hängen. Es scheint dem Heiligen Benedikt wichtig zu sein, bevor er einige Übungen zu Fastenzeit empfiehlt, auf dieses gemeinsame Handeln hinzuweisen. Na ja, wenn alle gemeinsam ein wenig mehr tun… dann gibt es viel Erfolg. Was sollen also die Mönche gemeinsam tun: die früheren Nachlässigkeiten tilgen.

Das kann ganz verschiedenes bedeuten. Für jeden aber, der die benediktinische Lebensweise kennt, klingen hier vor allem die Anliegen der Professverpflichtung durch: frühere Nachlässigkeiten tilgen heißt, sich von schlechten Gewohnheiten abwenden und sich um besseres Handeln bemühen also CONVERSATIO und das alle Mönche gemeinsam. Auf diese Weise erinnert der Hl. Benedikt jede Benediktinerin und jeden Benediktiner wenigstens in dieser Zeit dieses Gelübde besonders zu leben; ein wenig mehr CONVERSATIO! Achtsamer zu sein und mit Lauterkeit der Professverpflichtung nachzukommen.

Wie sollen wir es tun? Auch dazu gibt Benedikt einfache Rezepte: das geschieht dann in rechter Weise, wenn wir uns 1. vor allen Fehlern hüten, 2. um das Gebet unter Tränen und die Lesung und 3. um die Reue des Herzens und um Verzicht mühen. Die Reihenfolge ist interessant: zuerst schau, dass du achtsam bist und nicht sündigst, achte auf das was du tust und denkst, ein wenig mehr wie sonst, zeige zuerst deine Bereitschaft, deinen guten Willen. Dann folgt das Gebet; ohne mit Gott in Verbindung zu bleiben, schafft du das alles nicht, Gebet unter Tränen bedeutet, frühere Sünden und Nachlässigkeiten bereuen, das macht uns demütig und aufmerksam auf andere, es hilft uns, die Mitschwestern und Menschen um uns mit ihren Fehlern anzunehmen. Nicht umsonst sagt man, aus den Fehlern kann man lernen. Bete …, ein wenig mehr wie sonst. Und jetzt erst folgt der Schritt an den wir eigentlich gleich denken, wenn wir über Fastenzeit sprechen: sich im Verzicht mühen. Ja, es ist eine Mühe, du sollst dich nicht „gehen lassen“, nicht mit der „Wellness-Gesellschaft“ mitschwimmen und konsumieren ohne nachzudenken, ob du es wirklich brauchst und ob es deinem Körper und deiner Seele gut tut und vor allem, ob es von Gott stammt. Ein wenig mehr Verzicht bedeutet unter Umständen, dass du überhaupt erst lernst, zu verzichten. Hab Mut dazu. Nein sagen zu können ist eine Urfähigkeit des Menschen. Du kannst NEIN sagen, du musst nichts tun, nur weil es „in“ ist oder weil die anderen es tun. Mache dich frei und entscheide selbst. Ein bewusstes JA schenkt uns Freude, ein bewusstes NEIN schenkt uns Freiheit.

Die Regel ermutigt uns weiter in diesen Tagen über die gewohnte Pflicht unseres Dienstes hinauszugehen, das heißt ein weites Herz gewinnen, nicht kleinlich sein, nicht berechnen, sondern einfach alles achtsam, in Lauterkeit und zur Ehre Gottes tun, ob es Verzicht beim Essen oder ein gutes Wort ist, ob es ein wenig mehr Einsatz für die anderen ist oder ein Verzicht auf inhaltslose Unterhaltung am Handy, durch Internet oder Fernseher: das muss jeder für sich entscheiden.

Es ist einfach nur EIN WENIG MEHR. Das genügt! So können wir mit geistlicher Sehnsucht und Freude das heilige Osterfest erwarten.

* * * * * * * * * * *

Regula Benedicti Kapitel 49: Die Fastenzeit

 1. Der Mönch soll zwar immer ein Leben führen wie in der Fastenzeit.

2. Dazu aber haben nur wenige die Kraft. Deshalb raten wir, dass wir wenigstens in diesen Tagen der Fastenzeit in aller Lauterkeit auf unser Leben achten

3. und gemeinsam in diesen heiligen Tagen die früheren Nachlässigkeiten tilgen.

4. Das geschieht dann in rechter Weise, wenn wir uns vor allen Fehlern hüten und uns um das Gebet unter Tränen, um die Lesung, die Reue des Herzens und um Verzicht mühen.

5. Gehen wir also in diesen Tagen über die gewohnte Pflicht unseres Dienstes hinaus durch besonderes Gebet und durch Verzicht beim Essen und Trinken.

6. So möge jeder über das ihm zugewiesene Maß hinaus aus eigenem Willen in der Freude des Heiligen Geistes Gott etwas darbringen;

7. er entziehe seinem Leib etwas an Speise, Trank und Schlaf und verzichte auf Geschwätz und Albernheiten. Mit geistlicher Sehnsucht und Freude erwarte er das heilige Osterfest.

8. Was aber der einzelne als Opfer bringen will, unterbreite er seinem Abt. Es geschehe mit seinem Gebet und seiner Einwilligung;

9. denn was ohne Erlaubnis des geistlichen Vaters geschieht, wird einmal als Anmaßung und eitle Ehrsucht gelten und nicht belohnt.

10. Also werde alles mit Einwilligung des Abtes getan.